Neues Chrome Feature Scroll to Text Fragment könnte URLs abschaffen

R.I.P liebe URLs?

Können Sie sich das World Wide Web ohne nutzerfreundliches URL-Design vorstellen? Google offenbar schon. Mit einem neuen Feature könnte Google in der neuen Chrome Version das Internet völlig auf den Kopf stellen.

Schafft Google die URLs ab?

Stellen Sie sich ein Internet ohne nutzerfreundliches URL-Design vor. Sie können es nicht? Der Marktführer unter den Suchmaschinen offenbar schon. Google will die URL nicht zum ersten Mal abschaffen und könnte mit seinem Feature „Scroll to Text Fragment“ in der neusten Chrome Version 80 einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung machen.

Wenn es Ihnen schwer fällt sich ein Internet ohne URLs vorzustellen, sind Sie nicht allein. Fragen Sie aber leitende Chrome-Entwickler bei Google stoßen Sie auf Gegenwind. Im Kosmos des Tech-Giganten sind Uniform Resource Locators ein altes System, dass es anzupassen und zu verbessern gilt.

Im Artikel „Google wants to Kill the URL“ setzt Adrienne Porter Felt, Engineering Manager bei Chrome, folgendes Statement:

„Menschen fällt es schwer URLs zu verstehen. Sie sind schwer zu lesen, es ist schwierig zu verstehen, welchen URLs vertraut werden kann und allgemein denke ich nicht, dass URLs eine geeignete Methode sind, die Identität einer Seite zu vermitteln. […] Wir wollen herausfordern, wie URLs angezeigt werden sollen […].“

(Quelle: Wired)

Parisa Tabriz, Director of Engeneering bei Chrome, ergänzt:

„Ich weiß nicht wie das Aussehen wird, da es sich derzeit um eine aktive Diskussion im Team handelt. Aber ich weiß, dass alles, was wir vorschlagen, kontrovers sein wird. […] Veränderungen werden in jeder Form umstritten sein. Es ist aber wichtig, dass wir etwas tun, da alle mit den URLs unzufrieden sind. They kind of suck.“

(Quelle: Wired)

Gehen wir davon aus, dass die Bemühungen des Marktführers von Erfolg gekrönt sein werden, könnte es zu interessanten und gravierenden Veränderungen kommen, die das gesamte Grundgerüst des World Wide Web auf den Kopf stellen.

Aber eins nach dem anderen.

The Reason Why: Warum will Google die URLs abschaffen?

Es ist kein Geheimnis, dass Google für den größten Teil der Internutzer das Eintrittstor ins Web darstellt. Der klassische URL-basierte Suche und die Eingabe einer bestimmten Internetadresse in die Adressleiste des Browsers sind mittlerweile in die Jahre gekommen.

Die Navigation und Suche nach spezifischen Marken und Unternehmen steht vermehrt im Fokus der Suchanfragen. Die Suchanfrage nach einer Marke führt die Nutzer nach der Eingabe in der Adressleiste häufig in den Google Kosmos.

Als eigenständige Content- und Informationsplattform will der Konzern die Nutzer im eigenen Kosmos halten. Mit Formaten wie Featured Snippets, Knowledge Graphs, Karussell-Snippets oder weiteren Structured Data Optionen entstehen mehr und mehr Zero Click Searches.

Daraus resultiert, dass viele Suchende seltener URLs einer Website zu Gesicht bekommen, da die Suchintention bereits in den SERPs befriedigt wird.

So könnte auch eine einzige holistische Startseite in Zukunft ausreichen, um alle Inhalte einer Domain vollständig abzubilden. Suchmaschinen könnten so eine einzige URL mit spezifiziertem Text Fragment in den Suchergebnissen bereitstellen, die den Nutzer zu der Antwort führt, nach der er sucht, anstatt Ihn im oberen Abschnitt der Seite einsteigen zu lassen.

Die Folge: Mehr Traffic für den Tech-Giganten, ein größeres Vermarktungspotenzial und die Verteidigung der globalen Marktführerschaft.

Dominanter Marktführer: So könnte Google URLs abschaffen

Wenn Ihnen die Dominanz des Marktführers unter den Suchmaschinen bewusst ist, verstehen Sie, welchen Einfluss der Konzern auf die Zukunft des Internets nehmen kann.

Betrachten wir die drei Säulen des Internets: Hypertext, Hyperlink und Hypermedia wird deutlich, dass sich eine zukünftige und erfolgreiche Durchsetzung des Scroll to Text Fragment Features in Chrome gravierend auf die Säule „Hyperlinks“ auswirken könnte.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist es so, dass beim Aufruf einer Website Ihr Above the Fold Bereich geladen wird. Mit Hilfe von Hash-URLs ist es möglich, zu einen ausgewählten Abschnitt der Seite zu gelangen, ohne selbst zu scrollen.

Dabei stützen sich Hash-URLs aber immer auf die individuellen Gedanken des Autors. Interne und externe Links, die mit einer Hash-URL gekennzeichnet sind, verweisen somit immer auf einen vom Autor festgelegten Textabschnitt.

Ein Beispiel: Navigieren Sie zu https://www.sixclicks.de/blog/backlink-audit-guide#was-ist-ein-Backlink-Audit, wird die Zielseite zum Blogartikel geladen. Durch die Integration der Hash-URL wird automatisch zum Abschnitt „Was ist ein Backlink Audit“ gescrollt.

Mit dem Scroll to Text Fragment Feature haben Sie die Option, selbst zu bestimmen, welche speziellen Abschnitte einer Webseite relevant sind, ohne sich auf Autorenanmerkungen verlassen zu müssen.

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Was kann das Scroll to Text Fragment Feature?

Das Scroll to Text Fragment ist ein Feature in Google Chrome, das es Nutzern und Autoren erlaubt, einen spezifischen Textabschnitt auf einer Webseite zu verlinken. Dafür wird einer URL ein Text Fragment beigefügt, das einer vorgegeben Syntax folgt.

So sieht die Syntax des Text Fragments hinter einer URL aus:

So nutzen Sie die URL und die Syntax des Text Fragments
URL und Syntax des Text Fragments

Bei erfolgreichem Aufruf der Webseite wird der gekennzeichnete Textabschnitt gelb hervorgehoben und direkt in Ihre Ansicht gescrollt. So bietet das Feature Nutzern eine verbesserte Usability, da der gewünschte Textabschnitt visuell hervorgehoben, automatisch sichtbar und leicht anzusteuern ist.

Anstatt ein oder zwei Wörter anzugeben, unterstützt diese Funktion auch kompliziertere Anweisungen. So lassen sich auch Links zu ganzen Textpassagen erstellen, die im Text Fragment verwendet werden.

Wenn Sie schon immer einen Link erstellen wollten, der auf einen spezifischen Abschnitt einer sehr langen Webseite verweist, dann wird Sie das neue Deeplink Feature glücklich machen.

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Scroll to Text Fragment: Use Cases in der Realität

Sollte die vorangegangene Erklärung zu kryptisch sein, helfen Ihnen Anwendungsbeispiele in der Realität sicherlich weiter.

Web Text References: Der Hauptanwendungsfall für Text Fragmente besteht darin, dass URLs als exakte Textreferenz im gesamten Web dienen können. Nehmen Sie Wikipedia als Beispiel. Links zu Wikipedia könnten Nutzer zur genauen Textpassage führen, die Sie zitieren. In ähnlicher Weise können Suchmaschinen URLs bereitstellen, die den Nutzer zu einer Antwort führen, nach der er auf der Seite sucht, anstatt auf den oberen Rand der Seite zu verlinken (in Anlehnung an Quelle: Github).

User Sharing: Stellen Sie sich vor, dass Browser bei Text Fragmenten die Option „URL nach hier kopieren“ implementieren, wenn der Nutzer das Kontextmenü für eine Textauswahl öffnet. So könnte der Browser eine URL mit der angegeben Textauswahl generieren und die Option bereitstellen, den Text bequem an den Empfänger der URL weiterzuleiten. Wenn ein Nutzer eine Textpassage ohne ein Text Fragment von einer Seite freigeben möchte, kopiert er höchst wahrscheinlich nur die Passage oder macht einen Screenshot und verschickt diesen an den Empfänger. In diesem Fall geht aber der gesamte Kontext der Seite verloren (in Anlehnung an Quelle: Github).

So nutzen Sie das Text Fragment richtig

Aktuell befindet sich das Feature in der Chrome Version 80 im experimentellen Status. Testen Sie selbst, welchen Einfluss das Text Fragment auf die Usability haben kann. Hier ist die Schritt für Schritt Anleitung:

1.Schritt: Google Chrome Version überprüfen

Um das neue Feature nutzen zu können, benötigen Sie die aktuelle Google Chrome Version 80.

Kontrollieren Sie Ihre Version in den Einstellungen des Browsers.

So überprüfen Sie Ihre Google Chrome Version
Überprüfen Sie Ihre Google Chrome Version

2.Schritt: Aktivieren Sie den Text Fragment Anker

Im Selbsttest ließen sich URLs mit einem Text Fragment nur dann abrufen, wenn die Option „Text Fragment Anchor“ in den Chrome Flags aktiviert war.

Bei den Chrome Flags handelt es sich um bereits integrierte aber experimentelle Features in Google Chrome, die manuell aktiviert werden müssen.

Rufen Sie zur Aktivierung des Features folgende URL auf: chrome://flags/#enable-text-fragment-anchor

So aktivieren Sie den Text Fragment Anchor in Chrome Flags
Aktivieren Sie den Text Fragment Anchor in Chrome Flags

3.Schritt: Kennzeichnen Sie das gewünschte Text Fragment

Kennzeichnen Sie Ihren gewünschten Textabschnitt auf einer Website mit folgendem Syntax-Befehl:

#:~:text=

Achten Sie darauf, dass hinter dem Schrägstrich der URL ein #-Zeichen verwendet wird. Darauf folgt der Syntax-Befehl. Nutzen Sie „%20“ als Feld für Leerzeichen.

Wenn Sie Schritt 1 und Schritt 2 erfolgreich umgesetzt haben, testen Sie es selbst.

https://www.sixclicks.de/#:~:text=aus%20unserem%20Blog

Sie können beliebige Textabschnitte oder ganze Passagen auswählen und der gewünschten URL anhängen. Im Selbsttest hat es super funktioniert. Vertiefende Informationen finden Sie auf Github – Text Fragments.

Unser Ausblick

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Google Feature noch als ein offenes Experiment anzusehen, das für kontroverse Diskussionen zum Thema Datensicherheit und neuen Phishing-Methoden sorgt und die Chrome-Entwickler weiterhin in Atmen hält. Auch wenn Googles visionäre Haltung den ein oder anderen zum Schmunzeln bringt, sollten Sie den Einfluss des Tech-Giganten auf die Nutzung des World Wide Webs nicht unterschätzen. Welche Veränderungen, Überraschungen und innovativen Ideen auf uns zukommen werden, bleibt abzuwarten. Wir halten Sie auf dem Laufenden. 😊

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